Hallo zusammen!
Ich bin Vater von zwei Kindern und lebe seit vielen Jahren getrennt von der Mutter. Wir haben eine bestehende Umgangsregelung in Form des Wechselmodells, die ich grundsätzlich einhalte und auch für sehr wichtig halte, insbesondere im Hinblick auf Stabilität und Verlässlichkeit für die Kinder.
Was die Situation für mich aktuell besonders belastend macht: Es gab im Haushalt der Mutter Vorfälle, die von meiner Tochter als Übergriffe (Ohrfeigen unter anderem) geschildert wurden. Ich habe diese Themen angesprochen, jedoch aus meiner Sicht keine adäquate oder beruhigende Reaktion erhalten. Aufgrund meiner Sorgen habe ich mich unter anderem auch an das Jugendamt gewandt, dort wurde die Situation jedoch nicht als kritisch eingeordnet.
Seit diesem Zeitpunkt nehme ich eine deutliche Veränderung bei den Kindern wahr. Sie sind mir gegenüber teilweise verschlossener und in bestimmten Situationen auch ablehnender. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass die Mutter vermehrt versucht, mir Fehler nachzuweisen oder mein Verhalten in Frage zu stellen. Auch im schulischen Kontext wurden meiner Tochter durch pädagogische Fachkräfte Fragen gestellt, ob sie sich bei mir wohlfühlt, was mich zusätzlich verunsichert hat. Eine Aufklärung meiner Person hinsichtlich der gestellten Frage unterblieb leider.
Zusätzlich kam es zu einer Situation, in der ein von mir ausgesprochenes Hausverbot bewusst ignoriert wurde. Nach meinem Hinweis darauf wurde den Kindern gegenüber geäußert, ich würde nun die Polizei bzw. sogar ein Spezialeinsatzkommando rufen. Diese Darstellung hat die Situation für die Kinder aus meiner Sicht unnötig emotional aufgeladen und weiter verunsichert, als auch von mir distanziert.
Wir haben in der Vergangenheit bereits verschiedene Dinge unternommen, um die Situation zu verbessern: Mediation, den Kurs „Kinder im Blick“ sowie Gespräche bei Beratungsstellen oder ein Pendelmappe. Innerhalb dieser Termine wirkt die Zusammenarbeit oft konstruktiv, außerhalb habe ich jedoch das Gefühl, dass sich das Verhalten wieder stark verändert – fast so, als säße dort eine andere Person.
Seit einiger Zeit erlebe ich die Kommunikation mit der Mutter als zunehmend schwierig und belastend. Es kommt immer wieder vor, dass während meiner Umgangszeit Anfragen gestellt werden, die zu einer Verkürzung meiner Zeit mit den Kindern führen würden. Diese lehne ich teilweise ab, weil ich der Überzeugung bin, dass gerade bei bestehenden Spannungen klare Strukturen und feste Zeiten für die Kinder wichtig sind.
Gleichzeitig wird mir dann vorgeworfen, ich würde nicht auf die Bedürfnisse unserer Tochter eingehen. Auffällig ist dabei für mich, dass Wünsche häufig über das Kind an mich herangetragen werden. Ich habe den Eindruck, dass sie dadurch in einen Loyalitätskonflikt gerät, den ich eigentlich vermeiden möchte.
Ein Beispiel: Ich organisiere Dinge (z. B. Freizeitaktivitäten wie Sport), informiere die Mutter transparent darüber, bekomme aber zunächst keine Rückmeldung. Wochen später wird dann gegenüber dem Kind geäußert, ich hätte sie nicht einbezogen oder übergangen und deswegen könne das Kind es in der mütterlichen Woche nicht ausüben. Das führt dazu, dass das Kind mir gegenüber anders reagiert und ich mich erklären muss, obwohl ich den Eindruck habe, meiner Informationspflicht nachgekommen zu sein.
In anderen Situationen wird bei Konflikten zwischen mir und dem Kind die Mutter eingeschaltet, woraufhin ich im Wortlaut aggressive und herablassende Nachrichten erhalte, die auch meine Erziehungsentscheidungen in Frage stellen. Der Kontext zu der Situation ist ihr unbekannt, möchte sie auch nicht erfahren. Das empfinde ich als übergriffig, versuche aber bewusst, nicht eskalierend darauf zu reagieren.
Was mich zusätzlich belastet: Wichtige Informationen (z. B. gesundheitliche Themen oder organisatorische Dinge) erhalte ich fast ausschließlich nicht direkt, sondern über die Kinder. Gleichzeitig entsteht nach außen das Bild, ich würde nicht ausreichend kommunizieren oder mich nicht kümmern.
Ich bemühe mich sehr, ruhig, sachlich und kindorientiert zu bleiben, Konflikte nicht über die Kinder auszutragen und ihnen stabile Strukturen zu geben. Gleichzeitig habe ich zunehmend das Gefühl, dass meine Haltung nach außen nicht richtig wahrgenommen wird und ich in eine Rolle gedrängt werde, die meiner tatsächlichen Beteiligung nicht entspricht.
Mich würde interessieren:
Ich bin für jeden Austausch dankbar.
Hallo Papabär,
ich kann Ihren Frust verstehen, wenn Sie Fachkräfte als eher moderierend sehen und es an konkreten Hilfestellungen fehlt. Jetzt kommt leider das ABER:
Es ist tatsächlich möglich, Kindern zu schaden, weil der Staat nicht überall einschreiten kann. Hier ist, zum Glück, aber auch manchmal mit Leid, eine große Hürde gesetzt. Das hat allerdings Grenzen: Wenn Sie konkrete Anhaltspunkte haben, wie Ihren Kindern massiv geschadet wird, dann sollten Sie sich mit diesen Anhaltspunkten ans Jugendamt wenden. Wenn es also eine Kindeswohlgefährdung gibt: Misshandlung, Verwahrlosung, psychische Misshandlung, mangelnde Grundversorgung .... Sie schreiben von Gewalt. Bei Gewalt reicht Moderation nicht, da muss das Jugendamt aktiv werden. Es braucht allerdings ganz konkrete Belege.
Unterhalb von Kindeswohlgefährdung kann es jedoch auch sehr schlimm für Kinder sein. Das liegt dann aber in der Verantwortung der Eltern. Allerdings gibt es Unterstützung. sie sprechen vom KIB Kurs. Prima, dass Sie den gemacht haben. Mit gefällt im KIB Kurs besonders gut, dass es immer darum geht, mit Kindern so zu sprechen, dass sie nicht noch zusätzlich belastet werden. Emotionscoaching, beschreibendes Lob, der hilfreiche innere Kommentar, die andere Reaktion ... sicher erinnern Sie sich an diese guten Instrumente. Auch wenn Ihre Kinder unter dem Verhalten der Mutter leiden, hilft es, diese Dinge zu beachten. Denn richtig machen ist immer richtig. Und Sie können nur das tun, was Sie tun können. Was die Mutter macht, können Sie nicht beeinflussen.
Aber Sie können für Ihre Positionen werben. In gemeinsamen Gesprächen. Wenn es bei gemeinsamen Beratungen besser mit der Kommunikation war, wäre es vielleicht eine gute Idee, das wieder zu starten. Auch wenn der Erfolg nicht sehr lange angehalten hat. Immerhin gab es zumindest partiell immer wieder einer Verbesserung, wenn ich Sie richtig verstanden habe.
Das was ich jetzt geschrieben habe, ist, wenn es - noch - keine Kindeswohlgefährdung sein sollte. Bei Kindeswohlgefährdung braucht es das Jugendamt.
Ich hoffe, das war jetzt, zumindest etwas, konkreter? Um sich die Situation gemeinsam genauer anzuschauen, könnte vielleicht auch eine Einzelberatung bei uns helfen.
Ihnen schicke ich viele Grüße
bke-Stephan-Bäcker
Vielen Dank für die Begrüßung und die freundlichen Worte.
Ich möchte ein Missverständnis klären, um meine Situation präziser zu fassen: Es geht mir nicht um ein subjektives Gefühl der Unzufriedenheit oder eine alterstypische Krise (meine Töchter sind 11 und 15).
Was mich belastet, sind konkrete Fakten, die über bloße Befindlichkeiten hinausgehen. Es geht um den Schutz des Kindeswohls bei Berichten über körperliche Übergriffe und um den Schutz vor psychischem Druck – etwa wenn gegenüber den Kindern Szenarien wie ein SEK-Einsatz heraufbeschworen werden.
Wenn das Wechselmodell dazu genutzt wird, Vereinbarungen stetig zu kürzen und das Kind als Boten für diese Wünsche zu instrumentalisieren, wird die Flexibilität zum Machtmittel.
Ich bin es offen gestanden leid, stets den Rat zu hören: ‚Bleiben Sie bei sich.‘ Das ist mit der Zeit ermüdend. Ich bin bei mir. Ich reagiere nicht auf Provokationen und bleibe sachlich.
Aber ich muss Muster erkennen: Ein Kind, das mir bisher sehr nahestand und sich mir stets anvertraut hat, wendet sich nun ab, nachdem ich Missstände offen angesprochen habe.
Ich sehe, wie das Kind leidet und sich entfernt.
Mein Wunsch an die Mutter wäre schlicht die Einhaltung von Vereinbarungen und eine Kommunikation auf Elternebene, statt die Kinder als Verhandlungsschirm vorzuschreiben. Die Akzeptanz, dass ich manche ihrer Regelungen gespiegelt, bzw in meinem Haushalt übernommen habe, mich jedoch nicht gänzlich aufgeben kann. Manche Dinge eben anders sehe, entscheide und handhabe.
Ich suche Hilfestellung zu zwei Punkten:
Abgrenzung: Wie geht ihr damit um, wenn schwerwiegende Themen wie Gewalt oder Manipulation im Raum stehen, offizielle Stellen aber eher moderierend statt intervenierend reagieren?
Kinderschutz: Was kann ich konkret tun, um meine Kinder in dieser Dynamik aufzufangen? Wie schütze ich sie vor dem Loyalitätskonflikt, damit sie die Zeit mit mir einfach wieder genießen können, ohne zwischen den Fronten zu stehen?
Vielen Dank für die Geduld!
Sehr geehrter Vater, Lieber Papabär,
ich begrüße Sie herzlich bei uns im Elternforum: mit Ihren Fragen, Anliegen, Zweifeln, Gedanken und Gefühlen sind Sie hier willkommen!
In Ihren Offenbarungen verraten Sie, dass Sie als Eltern viel gemacht haben, um die Kommunikation zu verbessern sowie den Blick mehr auf die Kinder zu richten. Das spricht für Sie als Eltern.
Beim Lesen frage ich mich auch, ob man rausfinden kann, ob etwas bewusst oder unbewusst abläuft und was für Gefühle es in Ihnen auslöst, wenn Sie so behandelt werden. Etwas scheint für Sie schwierig zu sein im Moment und ich gehe davon aus, dass Sie Entlastung oder mehr Klarheit brauchen. Auch gibt es Dinge, die Ihnen vorgeworfen werden und laufen hinter Ihrem Rücken. Das ist sicherlich unangenehm für Sie und ich finde, dass Sie einige Gründe nennen, um mit der Mutter der Kinder erneut gemeinsam zu überlegen, ob es so weiter gehen kann und was sich ändern muss.
Was wünschen Sie sich von der Mutter?
Was von den Kindern?
Was soll sich verändern?
Ein sogenanntes Wechselmodell ist kein einfaches Unterfangen. Es darf Krisen geben und man darf es überdenken, wenn etwas nicht mehr so läuft wie vereinbart. Ihre Kinder werden älter und ihre Bedürfnisse sowie Beziehungen zu beiden Eltern verändern sich. Das dürfen Sie in den Blick nehmen. Zudem gehe ich davon aus, dass die Kinder seit Jahren eine Menge übernehmen und leisten, damit es funktioniert. Dabei kann es sein, dass sie nicht mehr so gut funktionieren und Ihnen als Eltern wieder Sorgen bereiten und es Komplikationen in der Umsetzung von so einem Modell geben kann.
Ich habe den Eindruck, dass Sie es bisher sehr gut organisiert haben. Das spricht für Sie als Eltern. Sie haben Mediation wahrgenommen, Elternkurse besucht, an der Kommunikation gearbeitet. Dennoch sind Sie unzufrieden, weil Ihr Gefühl, dass die Mutter nicht mitmachen möchte oder Dinge ohne Sie macht und entscheidet, stark ist. Haben Sie ein Idee, warum gerade jetzt Sie das Gefühl haben, dass es nicht gut läuft oder sich etwas/jemand gegen Sie richtet? Gab es bestimmte Vorfälle, die Sie besonders aus der Bahn geworfen haben? Lief es mal besser als jetzt? Wie lange sind Sie angespannt und unzufrieden damit?
Ihre Fragen laden andere Eltern dazu ein, eigene Erfahrungen mitzuteilen. Ich hoffe sehr, dass es für Sie zu einem hilfreichen Austausch hier bei uns im Forum kommt und Sie davon profitieren können.
Wie alt sind Ihre Kinder? Ich nehme an, dass es bei einer Tochter schon um eine Jugendliche geht? Das spielt natürlich auch eine Rolle: je nach Alter, verändern sich die Beziehungen zu den Eltern sowie Bedürfnisse der Kinder.
Ich wünsche Ihnen einen spannenden und hilfreichen Austausch bei uns im Elternforum und etwas Leichtigkeit in Ihrem Alltag als Vater!
Abendliche Grüsse
bke-Kira-Morgenthal